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Solothurner Zeitung: Fünf Solothurner Gemeinden haben eigene App – mit unterschiedlichem Erfolg

Weiterführende Informationen http://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/fuenf-solothurner-gemeinden-haben-eigene-app-mit-unterschiedlichem-erfolg-130467023

Copyright © az Solothurner Zeitung

Die Gemeinden im Kanton Solothurn tun sich schwer mit Apps. Nur Solothurn, Olten, Oensingen, Däniken und Kappel haben eine. Die Investition hat sich noch nicht für alle gelohnt. Das Problem: Teilweise sind die Gemeindeapps einfach zu wenig bekannt.

Wir haben eine App zum Zeitunglesen, eines für den Fahrplan und mindestens eine zum Spielen. Doch was die meisten von uns nicht auf ihrem Smartphone installiert haben, ist eine App von ihrer Gemeinde. Vielleicht weil uns das Dorf- oder Stadtleben zu wenig interessiert, doch meist schon nur, weil es die entsprechende App gar nicht gibt.

Nur 5 der 109 Gemeinden im Kanton bieten eine App an. Auf seinem Handy installieren kann man Oensingen, Solothurn, Olten, Kappel und Däniken (siehe Kasten unten). Haben die anderen den technologischen Anschluss verpasst?

Vor allem für Städte

Nicht zwangsläufig, sagt Roman Flury, Geschäftsführer der Firma Miplan in Hägendorf, die unter anderem Apps für Gemeinden entwickelt. Er formuliert es so: «Wenn ich selber Gemeindeschreiber einer kleinen Gemeinde wäre, würde ich vermutlich auf eine eigene App verzichten und mich eher an einem Gemeinschaftsprojekt beteiligen.» Denn eine eigene App biete sich in erster Linie für Städte an, mit vielen potenziellen Benutzern. «Sonst ist der Aufwand bald grösser als der Ertrag.»

Der Ertrag sind in diesem Fall Downloads, sprich aktive Benutzer. Am Beispiel Oensingen lässt sich aufzeigen, wie schwer es sein kann, dass sich eine solche App durchsetzt. Bisher haben 276 Personen die App auf ihrem Smartphone installiert, sprich allenfalls jeder 20igste Einwohner der Gemeinde. Eine magere Bilanz nach zwei Jahren. Ähnlich sieht dies Christian Strähl, Assistenz Leiter der Gemeindeverwaltung. «Die Nutzungszahlen entsprechen noch nicht ganz unseren Vorstellungen.» Dass es nicht nur an der Grösse liegt, zeigt die App der Stadt Solothurn. Hier sieht es im Verhältnis zur Wohnbevölkerung noch düsterer aus. Allerhöchstens jeder 33. Einwohner will die Stadtverwaltung auf seinem Handy.

Eine App zu haben, reicht nicht

Für Roman Flury gibt es den einen Kardinalfehler, den viele Gemeinden machen: Sie haben eine App, doch vernachlässigen das Marketing. «Einige Gemeindeverwaltungen sind nach der Entwicklung der App himmelhochjauchzend, doch nach einigen Monaten beklagen sie sich beim Entwickler, wie wenige ihre App installieren.» Doch es reicht nicht, einfach eine App zu haben. Roman Flury: «Man muss auch etwas tun.» Denn sonst wissen viele gar nicht, dass es die App überhaupt gibt.

Die Stadt Solothurn beschränkte sich auf das Nötigste. «Aktiv wurde die App nur mit einer Medienmitteilung beworben», sagt der Solothurner Stadtschreiber Hansjörg Boll. Oensingen geht in die Offensive. Erst kürzlich erschien in der Dorfzeitung ein Artikel, der die App anpries und über das Update informierte. Zudem werden Neuzuzüger über die Existenz der App aufgeklärt.

Mit Vereinen zusammenarbeiten

Doch auch ein gutes Marketing reicht noch nicht, so Roman Flury. Denn: «Seien wir ehrlich. Eine kleinere Gemeinde hat zu wenig attraktiven Inhalt, dass man deren App oder Website besuchen will. Ausser, man benötigt dringend Informationen.» Darum rät der Geschäftsführer von Miplan den Gemeinden auf der App auch attraktive Inhalte anzubieten. Beispielsweise ein Game oder eine Schnitzeljagd durch die Stadt oder das Dorf. Doch je kleiner die Gemeinde, desto kleiner die personellen Ressourcen. «Dann bleibt teilweise alles am Lehrling hängen, der aber auch schon viel zu tun hat.» Die Lösung: Mit Vereinen und dem Gewerbe zusammenarbeiten, diese ebenfalls zu motivieren, ihre Veranstaltungen und News über die Plattform zu verbreiten. Flury: «Dies hat sich bewährt.»

Die Gemeinde Däniken zeigt es vor: Nebst Nachrichten wie jener über die Ortsplanrevision findet man auch eine Kurzgeschichte, inklusive eingebauter Frage. Seit der Lancierung im Februar 2015 haben sich 300 Personen die App von Däniken installiert. Mehr als im doppelt so grossen Oensingen. «Warum hat sich Däniken für eine App entschieden? «Um dem Trend des mobilen Zeitalters zu folgen», beantwortet Gemeindeschreiberin Andrea Widmer die Frage. «Däniken will sich innovativ und modern präsentieren, dazu gehört eine App.»

Dieser Meinung war die Stadt Olten bereits früh. Seit 2012 kann man ihre App aus den Stores von Google und Apple herunterladen. Stadtschreiber Markus Dietler begründete die Vorreiterrolle der Stadt Olten im Magazin des App-Entwicklers Innovative Web wie folgt: «Olten ist eine Pendlerstadt. Deshalb ist es wichtig, dass die Verwaltung ihre Dienstleistungen auf verschiedensten Kanälen anbietet.» Die Stadtapp ist auch erfolgreich. Olten gelang es als einziger Solothurner Gemeinde, die 1000er Marke zu knacken. Anzahl Downloads: 3023.

Stagnation erwartet

Das demnächst noch viele weitere Solothurner Gemeinden auf eine App setzten, davon geht Geschäftsführer Roman Flury nicht aus. «Auch wenn es nicht gut für mein Geschäft ist, ich erwarte eine Stagnation.» Miplan hat damit begonnen, statt auf Gemeinde-Apps vermehrt auf regionale zu setzen. «Zum Beispiel würde sich eine App für eine gesamte Region, wie Thal-Gäu anbieten», sagt Flury. Der grosse Vorteil: Eine viel grössere Zielgruppe und dennoch können die Gemeinden ihre Neuigkeiten verbreiten.

In Grenchen hat sich die Verwaltung bewusst gegen eine App entschieden. «Es war letztlich eine Kosten-Nutzen-Abwägung», sagt Stadtschreiberin Luzia Meister. Eine App kostet. Die Solothurner beispielsweise bezahlten für die Entwicklung ihrer App inklusive mobiles E-Government-Center rund 20 000 Franken. Der jährliche Unterhalt: rund 4000 Franken.

Kurze Vorstellungsrunde: Die fünf Gemeinde-Apps im kanton Solothurn


Stadt Solothurn
Protokoll der Gemeindeversammlung, und Baupublikationen. Dies sind die ersten drei Neuigkeiten auf dem App der Stadt Solothurn. Insgesamt macht der Auftritt einen sehr bürokratischen Eindruck. Weiter mangelhaft: Das App hat zu wenig Inhalt. So gibt es gemäss dem App nur drei sehenswerte Orte in Solothurn und nur ein Anlass findet demnächst statt. Doch bald gibt es ein Update.
  • Anzahl Downloads ca. 500 (Verhältnis zur Bevölkerung: 3 Prozent)
  • Online seit September 2014
  • Entwickler Innovative Web AG

Olten
Dass die bevölkerungsreichste Stadt im Kanton die meisten App-Downloads verzeichnet, vermag im ersten Moment nicht zu überraschen. Doch: Olten hängt die anderen Gemeinden klar ab. Allgemein liefert die Stadt auf dem App einen ordentlichen Eindruck ab. Viele Anlässe, viele Orte und eine Funktion, die keine der anderen vier hat: die Wetterprognose für die nächsten Tage.
  • Anzahl Downloads 3023 (Verhältnis zu Bevölkerung: 17 Prozent)
  • Online seit August 2012
  • Entwickler Innovative Web AG

Oensingen
Seit dem neuesten Update hat Oensingen die Favoriten-Funktion. Das heisst, wenn ich zum Beispiel die Alphorgruppe favorisiere, sehe ich deren Anlässe hervorgehoben. Gute Funktion. Auch gut: Ich sehe die nächsten Abfallsammlungen, ohne ein Dokument runterladen zu müssen. Doch insgesamt ist die App zu langweilig. Bietet zwar alle wichtigen Informationen, aber nicht mehr.
  • Anzahl Downloads 276 (Verhältnis zur Bevölkerung (4 Prozent)
  • Online seit Juli 2014
  • Entwickler Innovative Web AG

Däniken
Vor allem die Schule ist auf dem App der Gemeinde Däniken sehr dominant. Doch genau das macht den Inhalt attraktiv. Es passiert etwas und ist lebensnah. Einmal gibt es einen Artikel über die Schulreise, ein andermal eine Kurzgeschichte. Das ganze wird zwischendurch aufgelockert durch ein Bild. Mit dieser App auf dem Smartphone ist der User beides – informiert und unterhalten.
  • Anzahl Downloads 306 (Verhältnis zu Bevölkerung 10 Prozent)
  • Online seit Februar 2015
  • Entwickler Innovative Web AG

Kappel
Das neuste Gemeinde-App im Kanton. Zudem ist Kappel die Einzige der fünf Gemeinden, die nicht zu den Kunden der Innovative Web AG gehört. Deshalb unterscheidet sich ihr Auftritt auch am meisten. Sich durch die verschiedenen Bildergalerien zu klicken, macht Spass. Auch einzigartig: Man kann die einzelnen Beiträge liken und teilen, ähnlich wie auf Facebook.
  • Anzahl Downloads 92 (Verhältnis zu Bevölkerung 2 Prozent)
  • Online seit April 2016
  • Entwickler apload GmbH

Screenshot App
© Thomas Ulrich

Dokument Solothurner_Zeitung_App_20160809.pdf (pdf, 3603.3 kB)


Datum des Presseartikel 5. Aug. 2016